Bloggen? Wird eh überschätzt.
Interessant zu sehen, wie sich die Prioritäten verschieben, wenn man Vater ist. Vorher dachte ich 645-mal am Tag: "Dazu könnte ich ja nachher mal was ins Interweb reinkritzeln." Und ich besuchte 7658-mal täglich irgendwelche anderen Blogdingse. Und jetzt? Seit Tagen lese ich kaum noch andere Seiten und bevor ich hier was reinschreibe, schau ich mir lieber meine wunderschöne und -volle, spannende, grandiose, faszinierende [bitte diese Reihe selbstständig fortführen] Carlotta an.

Wie dieser Text dann zustande kommt? Ich tippe mit rechts und halte meine Schöne dabei im linken Arm. Es fällt mir schwer, mich auf Inhalt, Grammatik und Orthografie zu konzentrieren, weil meine Augen permanent den Monitor verlassen. Wenn sie den Weg zurück auf den Bildschirm finden, korrigiere ich erstmal die Tippfehler. Nachdem ich so rund eineinviertel Stunden dran geschrieben habe, endet dieser Eintrag ohne Pointe genau hier

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mark793, Donnerstag, 21. September 2006, 22:29
Haha,
das kenn ich.

kreuzberger, Donnerstag, 21. September 2006, 22:47
Lässt das
denn irgendwann nach? Zurzeit kann ich mir das ja nicht vorstellen...

mark793, Donnerstag, 21. September 2006, 23:07
Nachlassen?
So bisschen Gewöhnungseffekt gibt es zwar schon, aber die Faszination hält an.

Da ich ja erst losgebloggt habe, nachdem die Kleine schon gut zwei Monate auf der Welt war, hat sich da nicht sooo viel verschoben bei mir.

Aber insgesamt hat sie unser Leben schon ziemlich umgekrempelt. Und dass gerade ich Gefallen am Teilzeit-Hausmann-und-Tagespapi-Dasein finden würde, hätt ich mir früher auch nicht träumen lassen.

kreuzberger, Donnerstag, 21. September 2006, 23:23
Ich bin ja
völlig hin und weg von der Kleinen und habe mich vom Umgang mit meinem und anderen Blogs seit der Geburt ziemlich verändert. Vielleicht merkt mans nicht, aber es fühlt sich einfach weniger wichtig an.

Ich bin ja sehr gespannt, wie mein und unser Leben sich ändern wird. Zum Glück bin ich Freiberufler und arbeite freitags meist von zu Hause aus - da kann ich mich auch mal als Tagespapi versuchen. Eine Rolle, in der auch ich mich früher niemals gesehen hätte.

mark793, Donnerstag, 21. September 2006, 23:40
Das ist ne Riesenchance,
und das wiegt den Mangel an social security von uns Freischwebenden auch irgendwie auf. In der Zeit zwischen Mutterschutz und der 3-Tages-Betreuung in der Firmenkita beim Arbeitgeber meiner Frau habe ich das family-business@home auch Fulltime betrieben. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Auch wenn sie natürlich schon auch ein Stück weit von den ökonomischischen Realitäten mitgeprägt gewesen ist. Sprich: Meine Frau hat nun mal den besseren und sichereren Job.

Es verändert sich ja nicht nur der Blick aufs Bloggen, sondern auch mancher andere Blickwinkel. So vieles, was mich früher mehr mitgenommen oder in Fahrt gebracht hätte, bringt mich nicht mehr groß in Wallung, dafür gewinnen ganz andere Sachen an Bedeutung. Ich hab mich in den rund 20 Monaten meiner Vaterschaft noch keine Minute zurückgesehnt in die Zeit vorher.

kreuzberger, Freitag, 22. September 2006, 09:44
Die Sicherheit
ist zum Glück einigermaßen gegeben bei mir, weil ich einen Großteil der Zeit als fester Freier arbeite. Nebenher habe ich dann aber noch genug Zeit für andere Jobs oder "Projekte", wie man das ja in Berlin gerne nennt. Wenn es finanziell geht, will ich einen großen Teil meiner freien Zeit für die kleine Carlotta reservieren und auch mal bewusst nicht arbeiten. Ich hoffe, ich kann mir diesen Luxus möglichst oft gönnen, denn ich will wie Du viel Zeit mit meiner Kleinen verbringen.

Was Du mit dem generell veränderten Blickwinkel sagst, habe ich auch schon - zumindest in Ansätzen - an mir beobachtet. Auf einmal werden manche Dinge so unwichtig und unbedeutend, weil es viel wichtiger ist, wie es meiner Tochter geht und ergeht.

20 Monate - das hört sich für mich schon so lang an, obwohl es ja immer noch ein kleines Kind ist. Meine Kleine ist ja erst eine Woche und fast genau einen halben Tag alt. Bislang habe auch ich jede Sekunde davon genossen und freue mich auf viele spannende Minuten, Tage, Jahre...