Borat sucks
Gerade eben im Gratis-Preview von Borat gewesen. Für ohne Geld gehts gerade noch, aber warum sollte man für dieses Machwerk auch nur einen Euro ausgeben?

Der ganze Rahmen hätte mich warnen sollen. Der Einlass startete fünf Minuten vor dem angeblichen Filmbeginn. Die Schlange war zu diesem Zeitpunkt lang. Länger. Sehr lang. Unerträglich lang. An ihrem Anfang stand ein Metalldetektor oder ein Etwas, das so aussah, als wäre es gern ein solcher. Taschen und Handys musste man abgeben, um am lächerlichen freundlichen Securitymann vorbei durch das Detektorteil laufen und den Saal betreten zu dürfen. Und weil die ganze Prozedur so flott ablief, fing der Film auch schon um viertel vor neun an. Statt wie angekündigt um acht.

Das Publikum war auch speziell. Mein linker Sitznachbar trug z.B. schwarze Buffalo's mit circa fünf Zentimeter dicker Sohle. Buffalo's. Als Mann. Zum Glück war er nicht son angepasster Typ: "Als Trainee muss ich ja keine Krawatten tragen." Politisch interessiert war er aber schon: "Ich freu mich voll auf das Buch von Genosse Gerhard Schröder." Als der Film dann endlich anfing, war ich kurz glücklich, dass ich den Schwachmaten nicht mehr anhören musste. Dummerweise lachte er dann alle 42 Sekunden extrem laut, um allen zu zeigen, dass er Humor hat: "Hohohoho!"

Auch ich habe an einigen Stellen gelacht, denn es ist gelegentlich durchaus komisch, wenn der die USA bereisende Kasache mit Klischees spielt und seine Gesprächspartner mit seinen sexistischen, antisemitischen oder einfach nur naiven Ansichten konfrontiert. Aber Borat-Darsteller Sacha Baron Cohen setzt im Großteil des Machwerks nur auf plumpe Provokationen und darauf, kalkuliert echte und vermeintliche Tabus zu brechen, um billige Lacher zu bekommen. Oft armselig, wie er so im Pseudodokustil am laufenden Band Juden-, Behinderten- und Dickenwitze aneinander reiht. Hahahaschenkelklopf, ist das lustig, wenn man sieht, wie Borat in diversen Stellungen mit einem nackten Fettsack ringt. Hohoho, wie komisch, wenn Borat vor lauter Antisemitismus Angst davor hat, dass ihn ein älteres jüdisches Ehepaar vergiften könnte. Natürlich finden all diese Witzchen auf einer Metaebene statt, die dem aufgeklärten Zuschauer zuruft: "Zwinkerzwinker, wir meinen das ja gar nicht so, wie wir es sagen. Denn eigentlich ist es ja volldoll schlimm, wenn man so denkt wie Borat."

Aber macht es das besser? Und ich will gar nicht erst mit irgendwelchen Ahnungslosen anfangen, die die Metaironie nicht verstehen. Mein Fazit: belanglos, verschwendete Lebenszeit. Zitat des Freundes, den ich zu diesem Gratisteil "eingeladen" hatte, und dem ich nach den langen 75 Minuten erstmal ein Kaltgetränk ausgeben musste: "Einer der schlechtesten Filme aller Zeiten."

Update: Andere Meinungen finden sich hier und hier.

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lennyundkarl, Dienstag, 24. Oktober 2006, 09:50
Hab die Premiere von "Der freie Wille" in Hamburg gesehen. Der Film war gut. Aber die Leute. Diese pseudo-Kunst-Kenner/Versteher, die ach so interessiert sind, nervten Regisseur und Schauspieler mit Fragen wie: Wo war jetzt der freie Wille, was waren die Ursachen für sein Verhalten... etc. Echt peinlich.

kreuzberger, Dienstag, 24. Oktober 2006, 09:59
"Der freie Wille" muss ja ein heftiger Film sein. Bin immer noch unschlüssig, ob ich mir den mal irgendwann gebe. Diese Art Publikum nervt mich auch oft auf der Berlinale. Fragesteller, die ihre Hey-ich-kenn-mich-aus-Fragen nur stellen, um erstmal fünf Minuten lang ihre intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren. Ekelhaft.