Donnerstag, 15. Juli 2010
Denn sie wissen nicht, was sie reden
Gestern in der Schlange an der Supermarktkasse, hinter mir zwei circa elf- bis zwölfjährige Jungs, die sich Süßigkeiten kaufen wollen. Als sie irgendeins der etlichen Hannah-Montana-Gimmicks sehen, entspinnt sich folgender Dialog:



Möchtegernrebellenjunge so: Ey, hast Du das neue Video von der gesehen?

Schüchternerfreund so: Das, in dem sie so wenig anhat?

Möchtegernrebellenjunge so: Genau das. (pfeift anerkennend)

Kurze Gesprächspause.

Möchtegernrebellenjunge so: Ey, der würde ich gerne auf die Fot** spucken.

Foto: Scorpions and Centaurs, CC-Lizenz

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Donnerstag, 22. Januar 2009
Voll fett
Mittagspause im gutbürgerlichen Schöneberg, weit weg von den angeblichen oder tatsächlichen Berliner Problembezirken. Sieben oder acht circa dreizahnjährige Mädchen begutachten lautstark ein Schaufenster.

dieeineso: "Ey, der Schwanz ist ja voll fett."

diegruppeso: *zustimmendes Gemurmel*

dieandereso: "Und guck Dir mal die Eier an, die sind auch voll fett."

Pointentechnisch wäre es jetzt sehr schön, hätten die jungen Dinger z.B. vor einem Fachgeschäft für Vögel und deren Erzeugnisse gestanden. In der tristen Wirklichkeit war es dann aber doch nur ein Männermodehändler, dessen Schaufensterpuppen lediglich Unterhosen trugen.

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Donnerstag, 20. November 2008
Wahrnehmungsstörung
Da will mir doch tatsächlich gerade jemand weismachen, heute sei Donnerstag. Dabei weiß doch jeder, dass heute Mittwoch ist. Mannmannmann.

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Donnerstag, 11. September 2008
Kindheitserinnerungen



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Dienstag, 27. Mai 2008
Weggeworfene Erinnerungen
Wie ich meine schwarze Lederjacke geliebt habe, damals, in den frühen 90ern. Ich hatte lange mit mir gerungen, ob ich sie mir leisten kann. 749 Mark. Viel Geld für einen jungen Bremer Bänker, so kurz nach der Ausbildung. Aber dann erlag ich uralten männlichen Jagdinstinkten und erlegte das tote Lamm. Das Nappaleder war unglaublich weich - was leider auch dazu führte, dass der Kragen, den ich natürlich cool aufstellen wollte, regelmäßig in sich zusammensackte. Also zuppelte ich immer wieder daran herum, um ihn aufzurichten (die sich hier anbietenden Zweideutigkeiten verkneife ich mir jetzt mal). Nichtsdestotrotz war ich wahnsinnig stolz, so etwas Edles zu besitzen. Das Bündchen, dank dem die Jacke perfekt auf der Hüfte saß, erschuf außerdem zusammen mit den Schulterpolstern - ein absolutes Muss! - eine Silhouette, die so gar nichts mit meinem sonstigen leptosomen Erscheinungsbild gemein hatte. Die Jacke und ich - wir wurden unzertrennlich und erlebten jahrelang zumindest in den kühleren Monaten alles gemeinsam. Doch im Laufe der Zeit verglühte meine Liebe zu dem treuen toten Tier und ich sah mich nach einer Neuen um. Die nächsten Jahre wechselten meine Begleiter häufig, vielleicht war ich einfach noch nicht bereit für eine erneute langfristige Bindung. Als ich 1996 nach Berlin zog, trennte ich mich zwar nicht von ihr, ließ sie aber auch nicht mehr an meinem Leben teilhaben. Die letzten zwölf Jahre verbrachte sie sehr zurückgezogen, bis ich heute morgen den letzten Schritt wagte und unsere gemeinsame Zeit beendete.

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Donnerstag, 1. November 2007
Was wurde eigentlich aus...
dem Satz: Die nachfolgende Ecke brachte nichts ein?

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Freitag, 30. März 2007
Ich war Christian Klar
Damals, in den 70ern, während die RAF in weiten Teilen dieses unseres Landes für Angst und Schrecken sorgte, machte der Kreuzberger die norddeutschen Spielplätze unsicher. Die Namen der Terroristen kannte jedes Kind: Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Christian Klar und wie sie alle hießen. Für uns kleine Scheißer bedeuteten die Namen aber vor allem, dass da ein paar Leute superbekannt sind, andauernd im Fernsehen auftauchen und sogar in jedem Postamt Fotos von ihnen hängen. Die Untergründler erschienen uns also als so eine Art Poldi-/Schweini-/Popstars-/DSDS-Vorläufer. Anstatt als Cowboys und Indianer aufeinander loszugehen, spielten wir deshalb oft Terroristen gegen Polizei. Wer cool war oder sein wollte, war natürlich RAFler - schließlich kannte keine Sau einen der ermittelnden Beamten und von denen hingen auch nicht überall Plakate rum. Mein "Lieblings-Terrorist" trug damals wie heute den gleichen Vornamen wie ich - Grund genug vor Spielbeginn immer laut zu rufen: "Ich bin Christian Klar!"

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Montag, 18. Dezember 2006
Meine erste Liebe
Ich habe sie geliebt, vom ersten Augenblick an, als sie in mein Leben trat. Ein Freund hatte sie mir vorgestellt, damals, vor fast zwanzig Jahren. Sie war anders als die anderen, durch sie und mit ihr lernte ich eine Welt kennen, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Sie zu berühren, zu verschlingen, in sie einzutauchen, war jedes gottverdammte Mal ein Erlebnis. Wir sahen uns nicht so oft, wie ich es gerne gewollt hätte, und oft kam sie zu spät zu unseren Verabredungen - aber das erhöhte nur den Reiz, die atemlose Spannung, die Faszination.

Und dann? Von einem Tag auf den anderen hat sie mich verlassen. Nach fast zehn Jahren, die wir zusammen verbracht hatten. Einfach so. Die danach kamen, waren nicht der Rede wert, ödeten mich schnell an. Sie sahen nicht so gut aus, überraschten mich nie mit verrückten Ideen, waren im Vergleich zu ihr nichts Besonderes. Meistens beendete ich diese kurzen Beziehungen kurz nachdem ich sie begonnen hatte. Einmal dachte ich, dass es anders werden könnte. Aber da wurde ich nach nur vier Monaten verlassen. Gerade als ich zu glauben begann, dass sie vielleicht die Richtige sei und meine alte Wunde heilen könnte.

Vor kurzem habe ich meine erste Liebe wiedergesehen. Sie hat ein wenig zugenommen, ansonsten sieht sie auf den ersten Blick noch fast genauso aus wie früher. Sogar die Freunde, mit denen sie abhängt, sind immer noch die gleichen. Und trotzdem - oder genau deshalb - war es irgendwie einfach nicht dasselbe wie damals. Sie hat sich nicht weiterentwickelt, ist in der Vergangenheit stehen geblieben. Schade, wenn die Gegenwart so die Erinnerung an die Vergangenheit zerstört und die leichten Träume und Illusionen sich auflösen. Schade, dass es Tempo noch einmal gibt.

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Mittwoch, 29. November 2006
Der Mann mit Vergangenheit
Der Kreuzberger ist ja ein sportlicher Typ geht ja regelmäßig gelegentlich ins Fitnessstudio. Beim letzten Besuch trainier ich gerade meine rudimentäre Rückenmuskulatur, als mir jemand am Nachbargerät auffällt. Ein ungefähr gleich alter junger Mann dehnt sich und sieht immer wieder zu mir rüber. Wieder mal ein Mann, der seine homoerotischen Neigungen gerne mit dem Kreuzberger teilen würde? Er guckt mich direkt an, kommt auf mich zu, streckt die Hand in meine Richtung aus.

iPod aus, fragend in seine Richtung sehen. Er: "Bist Du aus Bremerhaven?" Ich stutze, nicke. "Du heißt doch so-wie-der-Kreuzberger-bei-seiner-Geburt-genannt-wurde, oder?" Da fällt das Zehncentstück auch bei mir und ich erinnere mich an den kleinen Jungen aus der Grundschule, den ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen habe.

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Sonntag, 26. November 2006
Zeitreise
Seit ich das letzte Mal hier war, hat sich nicht viel geändert. Die Freischwinger hängen traurig durch, das Parkett ist abgetreten und rissig, an einigen Stellen fehlen kleinere Holzstücke. Ich sitze im Konferenzraum mit seinen ehemals wunderschönen Holztüren, die ausgeblichen und voller dunkler Fingerabdrücke rund um die ziselierten Klinken sind. Die offenen Türen führen zum Nebenbüro und zum Flur, durch den man in anderthalb andere Räume sehen kann. Alles, was man wahrnimmt oder ahnt, ist wie der Raum, in dem ich alleine sitze. Groß, leer, einsam.

Die Büroutensilien auf dem Tisch mit seiner grün marmorierten 70er-Jahre-Marmorplatte stammen aus einer anderen Zeit und haben schon seit längerem kein Staubtuch mehr gefühlt. Das zwischen den beiden alten Fenstern mit ihren doppelflügeligen Ober- und Unterlichtern stehende Faxgerät ist nur etwas jünger als der Tisch und wirkt, als warte es schon lange darauf, dass jemand seine Nummer wählt. Heizungs- und Wasserrohre laufen offen über den Wänden um die Zimmer herum, an einigen Stellen haben sie die Tapeten schwarz gefärbt.

Wenig hat sich seit meinem letzten Termin in der Kanzlei geändert. Die alterslose Sekretärin ist nicht mehr da und ich bekomme keine Rechnung per Post, sondern soll die Gebühren sofort bar zahlen. Das Wechselgeld holt der Anwalt statt aus einer soliden metallenen Kasse aus seinem abgewetzten Portemonnaie. Ich bin froh, dass er uns die peinliche Situation erspart, nicht genug zum Rausgeben zu haben.

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